Vom Schellack zu Vinyl

Naturprodukt oder Kunststoff? Diese Frage stellt sich beim Thema Schallplatte schon lange nicht mehr.

Vom Schellack zu Vinyl
Foto: Content Creation GmbH

Was hat die wertvolle Plattensammlung mit den Ausscheidungen der Lackschildlaus zu tun? Zugegeben: heutzutage nicht mehr viel. Schließlich bestehen Schallplatten seit über 60 Jahren aus Polyvinylchlorid, besser bekannt als PVC und im Volksmund liebevoll „Vinyl“ genannt. In der Pionierzeit der Schallplatte Anfang des 20. Jahrhunderts jedoch war Schellack der wichtigste Bestandteil des „Schwarzen Goldes“. Das ursprünglich für die Verwendung als Isolator entwickelte Material bot eine für die damalige Zeit beeindruckende Klangqualität und war lange haltbar. Der größte Nachteil bestand jedoch in der hohen Bruchgefahr: Ließ man eine Schallplatte fallen, zerbrach sie in unzählige Stücke. 

Das unterscheidet Vinyl vom Vorgänger Schellack.
Foto: Content Creation GmbH

Siegeszug des Vinyls

Etwa ab Mitte der 1940er-Jahre setzte sich das widerstandsfähige Vinyl nach und nach durch – allerdings immer noch mit den von den Schellack-Platten gewohnten breiten Rillen und gebaut für eine Abspielgeschwindigkeit von 78 Umdrehungen. Es dauerte jedoch nicht lange, bis der Umstieg auf elektrische Tonabnehmer auch das Aussehen der Vinyl-Schallplatte veränderte. Die Rillen wurden analog zu den dünneren Abtastnadeln der neuen Plattenspieler schmäler, und die Drehzahl veränderte sich auf die heute noch üblichen 33 1/3 (bei Langspielplatten) bzw. 45 (bei Singles) Umdrehungen in der Minute.

Kompatibel

Obwohl Schellackplatten ab Ende der 1950er-Jahre nicht mehr in großer Zahl produziert wurden, waren die meisten Plattenspieler bis in die 1980er-Jahre in der Lage, Schellackplatten abzuspielen: Die Nadel musste dafür getauscht und die Abspielgeschwindigkeit auf 78 Umdrehungen umgestellt werden. Wenngleich auch die meisten heutigen Spieler 78 U/min. als Einstellungsoption bieten, ist es nicht ratsam, alte Schellackplatten mit modernen Nadel zu verwenden: Diese würden keine gute Tonqualität ergeben. Umgekehrt würden dicke Schellack-Nadeln bei Vinyl-Platten aus der zu schmalen Rille springen oder diese sogar zerstören. 

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