Schweres Vinyl: Gewichtsklassen bei Platten

Der Musikgeschmack ist eine Glaubensfrage. Doch wenn es um die Qualitätskriterien für Vinyl-Schallplatten geht, zählen ausschließlich harte Fakten. So gilt das Gewicht der Platten seit Jahrzehnten als Merkmal für guten Klang.

Schweres Vinyl: Gewichtsklassen bei Platten.
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In den Pionierzeiten der Platten während der 20er- und 30er-Jahre wurde das „Schwarze Gold“ aus Schellack hergestellt. Langspielplatten wogen zu dieser Zeit zwischen 300 und 400 Gramm und waren extrem zerbrechlich.

Siegeszug des Vinyls

Mit dem Siegeszug des Vinyls ab Ende der 1940er-Jahre nahm das Gewicht der Platten kontinuierlich ab. Der Kunststoff Polyvinylchlorid war nicht nur deutlich leichter, sondern auch wesentlich robuster als das aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus gewonnene Schellack. In den 1960er-Jahren pendelte sich das Gewicht für Langspielplatten bei 180 bis 200 Gramm ein. 

Die Geschichte der Platten-Schwergewichte.
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Platten-Recycling

Mit dem Ausbruch der Ölkrise 1973 stieg der Preis von Vinyl dramatisch an. Um die höheren Produktionskosten zu kompensieren, stellten die Produzenten auf wesentlich dünnere Platten um. Sogar mit dem Recycling von Platten wurde begonnen – altes Vinyl wurde eingeschmolzen und zu neuen Alben und Singles gepresst. Akustisch waren die extrem dünnen Platten ein Rückschritt: Die Oberfläche verkratze leichter, flachere Rillen sorgten für Probleme beim Abspielen, und selbst geringste Temperaturwechsel ließen die Schallplatten wellig werden.

Das Gewicht als Qualitätsmerkmal

Erst in den 1980er-Jahren kam es zu einer spürbaren Entspannung, die Qualität der Platten steigerte sich allmählich wieder. Wenngleich der technische Fortschritt längst dünnere Pressungen ohne hörbare Qualitätsverluste ermöglichte, galt dickeres Vinyl seither als höherwertig. Die Produzenten reagierten prompt und legten zusätzlich zu den normalen Pressungen extra schwere Editionen auf. Und noch heute ist das Gewicht der Platte auf den meisten Covers vermerkt. 

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