09.10.2018 von: Saturn Tech News Redaktion

Schmieds Puls: Mira Lu Kovacs im Interview

Die Frontfrau der österreichischen Band Schmieds Puls spricht über das Songschreiben, ihre Lieblingsmusik und den neuen Mut zur Lautstärke.

Schmieds Puls: Mira Lu Kovacs im Interview.
Foto: Ina Aydogan

Saturn Technews: Eure Musik war bis dato von eher leisen Tönen geprägt. Jetzt wird’s ein wenig lauter. Laute Töne für laute Zeiten?

Mira Lu Kovacs: Ja stimmt! Für mich ist nicht nachvollziehbar, wenn jemand momentan nicht wütend oder irritiert ist. Aber meine Texte waren immer schon emotional durchwachsen und oft auch aggressiv – aber getarnt durch eine minimalistische Besetzung. Ich habe außerdem nie eingesehen, warum ich schreien muss, damit mir jemand zuhört. Ich denke, schlussendlich hat man gerade deshalb genau hingehört.

Saturn Technews: Musikalisch habt ihr euch wieder ein Stück weiterentwickelt. Wie kam es dazu?

Mira Lu Kovacs: Mir wird doch recht schnell langweilig, und ich hatte schon beim Songwriting das Bedürfnis, etwas anders zu machen, um mich selbst etwas herauszufordern. Und ich möchte einfach nicht – als Mensch wie als Musikerin – auf der Stelle treten. So habe ich versucht, nicht jede Chord-Abfolge mit irgendeinem besonderen Zupfmuster zu zerlegen, sondern habe es etwas schlichter gespielt. Danach habe ich versucht, mich auf der Gitarre so zu begleiten – wie ich es täte, wenn ich nicht gleichzeitig singen würde. Und dann musste ich erst üben, wie ich das Singen und Spielen wieder zusammenführe.

Schmieds Puls: Mira Lu Kovacs im Interview.
Foto: Ina Aydogan

Saturn Technews: Euer neues Album heißt „Manic Acid Love“. Was steckt hinter diesem Titel?

Mira Lu Kovacs: Das sind die drei Stufen der Wut: Bei diesem Kreislauf „Manic – Acid – Love“ gibt es allerdings einen Schwerpunkt auf dem Wort „Manic“. Manie ist für mich immer der schönste Rauschzustand gewesen. Also viel Energie. Dann will ich nicht schlafen, sondern hab die ganze Zeit den Drang, etwas zu tun, zu sehen und zu lernen. In diesem Zustand war ich einmal über Monate hinweg, doch das beginnt irgendwann anstrengend zu werden. Die schöne Energie kehrt sich ins Gegenteil um, weil man vergessen hat, Pause zu machen, inne zu halten, um all die schönen Dinge die man gesehen und gelernt hat, überhaupt zu erfassen. Diese „Station“ habe ich „Acid“ genannt. Weil es sich fast so anfühlt, als würde dein ganzer Körper beginnen sich zu wehren und dich zu zersetzen. Wenn man Glück hat und rechtzeitig wieder runterkommt, dann landet man irgendwo bei „Love“. Ich bin selbst noch nicht ganz da angelangt – ich kreise derzeit noch zwischen „Manic“ und „Acid“. Die dritte Station tangiere ich nur ganz leicht...

Schmieds Puls: Mira Lu Kovacs im Interview.
Foto: Ina Aydogan

Saturn Technews: Was treibt euch an, welche Anforderungen muss ein Song für euch erfüllen?

Mira Lu Kovacs: Der Song muss Sinn ergeben und einen Spannungsbogen sowie Dynamik enthalten. Das ist wichtig auf allen Ebenen. Wenn das Konzept ist, dass alles statisch bleibt, kann das natürlich auch eine Geschichte erzählen. Was ich nicht mag, ist, wenn einfach ein paar trendige Stilmittel in einen Topf geworfen werden und wenig Message dahintersteckt.

Saturn Technews: Welche Musik findet ihr selbst derzeit spannend? Und wie hört ihr persönlich am liebsten Musik, digital oder auf Schallplatte?

Mira Lu Kovacs: Ich höre meine Musik gerade oft am Handy mit Kopfhörern oder peinlicherweise auf Computerboxen. Bei mir läuft gerade „Changes" von Black Sabbath rauf und runter. Wobei die Charles-Bradley-Version fast besser ist. Und Beth Gibbons habe ich während des letzten Jahres viel gehört. Walter (Bass) hat eine großartige Anlage zu Hause und hört oft Platten. 

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