Guide: Objektive für die Porträtfotografie

Beeindruckende Porträts fotografieren, emotionale Momente einfangen: Mit dem richtigen Objektiv beinahe ein Kinderspiel! Darauf kommt es bei der Objektivwahl an.

Foto: Poike/iStock
Foto: Poike/iStock

Darauf kommt es bei der Porträtfotografie an

Menschen optimal in Szene setzen, Erinnerungen für die Ewigkeit erschaffen: Das möchte jeder Porträtfotograf, egal ob engagierter Hobbyfotograf oder Vollprofi. Neben Faktoren wie der fotografischen Komposition, der Lichtführung und natürlich der Chemie zwischen Fotograf und Model entscheidet das gewählte Objektiv über die Bildwirkung. Insbesondere über die ausgewogene Abbildung des Gesichts, das Herausheben der Person vom Hintergrund und den Verlauf und die Qualität von Schärfe und Unschärfe. Wer sich also für Porträtfotografie interessiert, sollte sich die richtige Linse gönnen.

Objektiv – „Auge“ der Kamera

Foto: Geber86/iStock
Foto: Geber86/iStock

Das Objektiv kann mit dem menschlichen Auge verglichen werden. Es erzeugt das optische Abbild des Models auf dem Sensor. Folgende Objektiveigenschaften bestimmen die Wirkung dieser fotografischen Abbildung mit:

  • Brennweite
  • Lichtstärke
  • Bokeh-Effekt

 

Brennweite

Die Brennweite des Objektivs ist direkt auf dem Objektiv ersichtlich und wird in „mm“ angegeben, beispielsweise „50mm“ (Festbrennweite Normalobjektiv) oder „70-210mm“ (Telezoom-Objektiv).

Porträts wirken häufig besonders ansprechend, wenn sie mit einem Normalobjektiv von ungefähr 50mm Brennweite (APS-C-Kameras) bzw. mit 85mm (Vollformatkameras) fotografiert werden. Warum? Weil damit das menschliche Gesicht natürlich - den menschlichen Sehgewohnheiten ähnlich - dargestellt wird, der Bildausschnitt gefällig wirkt und nebenbei der Abstand von Fotograf zu Model optimal ist und eine gute Kommunikation unterstützt.

Beispielfoto

Links ein Bild mit einer Brennweite von 24 mm, rechts zum Vergleich mit einer Brennweite von 77 mm aufgenommen (beide mit Blende f/2.8 und Vollformat).

Foto: Content Creation GmbH
Foto: Content Creation GmbH

Hintergrundinfos: Die gewählte Brennweite entscheidet darüber, welcher Bildwinkel des Motivs erfasst wird und wie natürlich (oder eben verzerrt) das Model schlussendlich auf dem fertigen Bild wirkt.

  • Je größer die Brennweite, desto geringer ist der abgebildete Bildwinkel, also der sichtbare Bildausschnitt (umgekehrt: je kleiner die Brennweite, desto größer der Bildwinkel).  
  • Umgelegt auf die Porträtfotografie bedeutet das, dass beispielsweise mit einem Weitwinkelobjektiv von 24mm das menschliche Gesicht mit einem wesentlich größeren Bildwinkel und damit größeren Bildausschnitt als bei einem Normalobjektiv abgelichtet wird. Gleichzeitig wird der Vordergrund – bei Porträts zwangsläufig die Nase – überproportional groß dargestellt. Das ist in den seltensten Fällen erwünscht.

 

Lichtstärke

Gerade in der Porträtfotografie erfreuen sich lichtstarke Objektive großer Beliebtheit. Mit „Lichtstärke“ ist bei einem Objektiv dessen größte mögliche Blendenöffnung gemeint (also der kleinste Blendenwert). Als lichtstark gelten Objektive mit Werten wie f/1,4 oder f/1,8 etc.

Warum sind lichtstarke Objektive in der Porträtfotografie so beliebt? Wer damit offenblendig, also mit dem kleinstmöglichen Blendenwert, fotografiert, löst die abgebildete Person perfekt vom jeweiligen Hintergrund heraus. Mit extrem kleinen Blenden wie f/1,4 ist es auch möglich, die Schärfe nur auf extrem kleine Bildbereiche, beispielsweise nur auf die Augen des Porträtierten, zu legen - zauberhaft. Mit einem lichtstarken Festbrennweitenobjektiv (z.B. 50 mm, f/1,4) kann man als Fotograf zudem alle Möglichkeiten des Schärfeverlaufs ausreizen und ansprechende Bokeh-Effekte nutzen. Darüber hinaus ist man mit einer lichtstarken Linse gut für Available-Light-Fotografie bzw. Situationen mit wenig Licht gerüstet.

Foto: martin-dm/iStock
Foto: martin-dm/iStock

Bokeh-Effekt

Fotografenherzen schlagen höher, wenn vom „Bokeh“-Effekt die Rede ist. Damit ist die ästhetische Qualität der Hintergrundunschärfe im fotografischen Bild gemeint. Diese entsteht vornehmlich bei offenblendiger Fotografie mit lichtstarken Objektiven. Gut zu sehen ist das Bokeh bei Lichtern.

Foto: Liderina/iStock
Foto: Liderina/iStock

Beeinflusst wird das Bokeh von den Lamellen der Objektivblende, runde sorgen für weichere Kreise, mehreckige Blenden entsprechend kantigere. Trefflich ließe sich darüber streiten, was nun ein gutes und ein weniger gutes Bokeh in einem Bild ist. Fakt ist, jedes Objektiv bringt ganz eigene Charakteristika mit, die auch die Unschärfeeffekte im Hintergrund eines Bilds bestimmen. Fakt ist auch, dass besonders lichtstarke Festbrennweitenobjektive für ein sichtbares Bokeh im Bild sorgen. Außerdem sind ein großer Abstand zwischen Motiv und Hintergrund sowie Gegen- und Seitenlicht förderlich für das Entstehen von Bokeh-Effekten. 

Objektive mit Festbrennweite

Foto: CoffeeAndMilk/iStock
Foto: CoffeeAndMilk/iStock

Allgemein bieten Objektive mit einer festen Brennweite eine bessere Bildqualität als Zoom-Pendants.

  • 85mm Festbrennweite
    In der Porträtfotografie bewähren sich bei Close-ups oder Brustbildern Festbrennweitenobjektive mit einer Brennweite von rund 85 mm und Offenblenden wie f/1,4 oder f/1,8 – aufgrund ihrer besonders natürlichen Bildwirkung. Bei Vollformat entsprechen 85mm einem Bildwinkel um 40-50°, also der menschlichen Wahrnehmung.
  • 50mm Festbrennweite
    Bei APS-C-Kameragehäusen empfiehlt sich aus den gleichen Gründen der Einsatz eines 50mm-Festbrennweitenobjektivs (Crop-Faktor – effektive Brennweite 75-80mm). Wer auf ein 50mm-Objektiv mit f/1,4 setzt, wird langanhaltend begeistert sein. Ein 50mm-Objektiv wird aber auch Vollformatfotografen erfreuen, es eignet sich für diese für Ganzkörperabbildungen (Streetfotografy und Co.).
  • 105mm Festbrennweite

 

Einzelne Gesichtspartien wie Augen oder Mund hingegen kommen mit Makrolinsen wie 105mm-Objektiven herausragend zur Geltung.

Foto: NoSystem images/iStock
Foto: NoSystem images/iStock

Zoom-Objektive

Ein breites Spektrum decken Telezooms ab: vom Close-up über klassische Porträts bis hin zu Oberkörperaufnahmen kann der Fotograf flexibel fotografieren. Und das, ohne sich von der Stelle bewegen zu müssen.

  • 70-200mm Telezoom
    Ein Klassiker in diesem Bereich sind lichtstarke Linsen (z.B f/2,4) mit Brennweiten um 70-200 mm. Beim Kauf sollte man auf einen guten (kontinuierlichen) Autofokus und guten Bildstabilisator achten, vor allem, wenn man auch während Events gute Porträts shooten möchte.  
  • 24-70mm Standardzoom

 

Zooms mit weitwinkeligeren Brennweiten spielen ihre Stärken aus, sobald es eng wird, etwa in Innenräumen. Es bietet viel Flexibilität und kann speziell in einer hochqualitativen Ausführung mit f/2,8 auch eine gute, verzeichnungsarme Qualität bieten. Weitwinkelig aufgenommene Porträts, bei denen die entsprechenden Verzerrungen bewusst genutzt wurden, können selbstverständlich eine spannende Wirkung haben. Auch dafür kann ein solches Standardzoom gut genutzt werden.

Foto: CoffeeAndMilk/iStock
Foto: CoffeeAndMilk/iStock

Allgemeine Tipps für den Objektivkauf

Objektive sind sicher ein Herzstück jeder fotografischen Ausrüstung – und einer der entscheidenden Faktoren, die es zu bedenken gilt, bevor man sich für einen bestimmten Kamerahersteller entscheidet.

Foto: master1305/iStock
Foto: master1305/iStock

Beim Objektivkauf gilt es auf den konkreten Einsatzzweck, die Verarbeitungsqualität, die optische Auflösung, die Lichtstärke und die individuellen Abbildungseigenschaften des jeweiligen Objektivs zu achten. Unser Tipp: verschiedene Modelle ausprobieren, gustieren, sich finden. „Ihre“ Objektive werden Sie ein Leben lang begleiten und begeistern.

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