Objektiv-Fibel: Welche Linse wofür?

Welches Objektiv sollten Sie für welche Aufnahmesituation verwenden? Dieser Guide zeigt, was am besten für Reise, Porträt, Action und Co. passt.

Foto: LightFieldStudios/iStock
Foto: LightFieldStudios/iStock

Welches Objektiv soll ich nehmen, wenn ich auf einen City-Trip gehen will? Welches für super Porträts? Und womit nehme ich Details in der Natur am besten auf? Gibt es eine Art „Universalgenie“ unter den Objektiven oder muss ich immer mehrere Linsen mitnehmen? Diese Objektiv-Fibel bringt Licht ins „Linsen“-Dunkel.   

Objektiv betrachtet: Grundlegende Unterschiede

Fotolinsen sind wie das Auge der Kamera. Sie bestimmen maßgeblich, wie Fotomotive abgebildet werden. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Modelle u.a. in punkto

  • Gewicht
  • Lichtstärke
  • Brennweite
  • Abbildungsqualität
  • Abbildungsmaßstab und Naheinstellgrenze
  • Bajonett/Herstellersystem
  • Stabilisator
  • Verarbeitung (u.a. Wetterfestigkeit)

Beim Thema Gewicht gilt, dass Festbrennweiten tendenziell leichter und kleiner sind als Zoom-Objektive. Allerdings gibt es speziell für Einsteiger auch gute kompakte Reisezooms.

Lichtstarke Objektive eignen sich gut für Porträts und Low-Light-Situationen. Die Angabe über die Lichtstärke finden Sie auf dem Objektiv: 1:2,8 steht beispielsweise auf einer Linse, deren maximale Blendenöffnung 2,8 ist. 1:5,6 wiederum meinte eine maximale Öffnung von 5,6. Ersteres Objektiv ist „lichtstärker“.

Foto: Laborer/iStock
Foto: Laborer/iStock

Die Brennweite eines Objektivs bestimmt den Bildwinkel und damit den Ausschnitt, der aufgenommen wird. Größere Brennweiten nehmen engere, kleinere hingegen weitere Bildwinkel auf. Eine Brennweite von 50mm nimmt einen Bildwinkel von rund 45° auf – was der menschlichen Wahrnehmung ähnlich ist und als „Normalobjektiv“ bezeichnet wird. Teleobjektive wiederum nehmen kleiner Bildwinkel auf, Weitwinkellinsen größere.

Objektive gibt es mit fester und mit variabler Brennweite (Zooms). Der Wert ist jeweils auf dem Objektiv ersichtlich, beispielsweise „14-70mm“ – damit ist eine Linse gemeint, die einen variablen Brennweitenbereich von 14 bis 70 mm abdeckt (also von Weitwinkel bis Tele).

Objektive liefern aufgrund ihrer Bauweise eine jeweils unterschiedliche Abbildungsqualität – diese hängt u.a. von der Güte der darin verbauten Linsen und der Elektronik ab. Gute Objektive nehmen präzise gesteuert, optimal stabilisiert (ohne Verwackeln) mit hoher Abbildungsqualität und ohne Verzeichnungen und Farbverschiebungen (speziell zum Rand des Bildes hin) auf. Damit noch nicht genug: Fotolinsen bieten jeweils unterschiedliche Abbildungsmaßstäbe (wie groß das Motiv auf dem Sensor im Verhältnis zu seiner realen Größe abgebildet wird) und andersgeartete Naheinstellgrenzen (= wie nahe man als Fotograf mit der Linse dem Motiv „auf den Leib rücken kann“).

Last, not least ist das Bajonett – also der Ring im Kameragehäuse, an den Objektive aufgebracht werden - bei unterschiedlichen Herstellern jeweils anders ausgeführt. Wichtig ist hier einfach, dass Sie wissen, dass man nicht jedes Objektiv auf jede Kamera aufbringen kann, sondern sich mit dem Gehäuse für ein „Universum“ an möglichen Objektiven entscheidet und andere ausschließt. Bestimmte Bajonette wie Nikons Z-Bajonett sind zudem so gebaut, dass sie besonders viel Licht auf den Sensor kommen lassen.

Objektivbajonett - der Objektivanschluss für Wechselobjektive
Foto: Christian Länger/iStock

Anwendungsszenarien und Objektivempfehlungen

Ein vollkommenes Objektiv für alle Szenarien gibt es – nicht zuletzt aufgrund optischer Gesetzmäßigkeiten – nicht. Für unterschiedliche Bereiche werden unterschiedliche Spezialisten eingesetzt und meist findet man sich in der Lage, Kompromisse zwischen Qualität, Flexibilität, Gewicht und Kosten eingehen zu müssen. Die gute Nachricht: Heutzutage gibt es kompakte, gute Zoomlinsen, die bei sehr vielen fotografischen Touren gute, universelle Dienste tun.

Ich will Porträts fotografieren

Sehr gut geeignet sind beispielsweise lichtstarke Normalobjektive (50 mm Brennweite). Wenn Sie damit mit offener Blende (z.B. 1,8) fotografieren, löst sich Ihr Modell extrem gut vom Hintergrund ab und wird natürlich anmutend dargestellt. Ein Vorteil der Festbrennweite ist in diesem Anwendungsfall auch ihre gute Abbildungsqualität – sie ist für ihren Bildwinkel absolut kompromissfrei optimiert. Bei extrem wenig Platz (z.B. in Innenräumen) oder auf Events kann es auch notwendig sein, auf ein Zoomobjektiv (z.B. 24-70mm) einzusetzen – in diesem Fall machen lichtstarke Modelle mit guter Bildstabilisierung und gutem Autofokus Freude.

Foto: kamisoka/iStock
Foto: kamisoka/iStock

Ich will meinen City-Trip dokumentieren

Setzen Sie auf ein kompaktes, leichtes Zoomobjektiv, das genügend Weitwinkel für das Einfangen von Architektur, aber auch genügend Telebrennweite für Details bietet – beispielsweise einen Brennweitenbereich von 18-200 mm.

Foto: FXQuadro/iStock
Foto: FXQuadro/iStock

Ich will Landschaften in Szene setzen

Landschaftsfotografie ist ein sehr beliebtes fotografisches Genre. Traditionell nutzt man hier Weitwinkellinsen mit einer sehr guten Abbildungsqualität. Viele Landschaftsfotografen fotografieren mit Stativ, da sie die besondere Lichtqualität morgens oder abends (Sonnenauf- und -untergang) nutzen. Daher kommt es bei diesem Objektiv auch nicht in erster Linie auf die Lichtstärke an, eine Anfangsblende um „4“ reicht vollkommen. Wer viel wandert, ist für dieses Genre gut beraten auf ein hochwertiges, weitwinkeliges Zoom zu setzen (z.B.14-24 mm).

Foto: rdonar/iStock
Foto: rdonar/iStock

Ich will mit wenig Gewicht beim Wandern fotografieren

Kompakt, robust, flexibel – so soll das ideale Wanderobjektiv sein. Für ausreichend Flexibilität nutzen Sie am besten eine Zoomlinse ab 14 mm bis hin zu einem leichten Telebereich.

Ich will Makroaufnahmen machen

Auf Makrofotografie spezialisierte Objektive bieten einen großen Abbildungsmaßstab (1:1, 1:2 etc.), eine passende (nahe) Naheinstellgrenze, extrem gute Bildstabilisation und gute Lichtstärke. Es handelt sich häufig um Festbrennweiten, die für den Nahbereich optimiert sind. Sie können dort besonders fein fokussiert werden und bilden Motive in dieser Zone mit guter Qualität ab. Typischerweise finden sich Makroobjektive mit 100 mm Brennweite, diese sind sehr gut für Anfänger geeignet. Mit größeren Brennweiten von z.B. 180 mm kann man später mehr auf Abstand zum „Model“ (etwa einem Insekt) gehen. Da bei Makrofotos häufig abgeblendet werden muss (größere Blendenzahl, kleinere Blende), um ausreichend Schärfe zu erzielen, werden die Belichtungszeiten tendenziell lang. Deswegen macht der Einsatz eines Stativs in der Makrofotografie Sinn.

Foto: ihsanyildizli/iStock
Foto: ihsanyildizli/iStock

Ich will Street Photography erleben

Kompakt, schnell und unauffällig. Als Street Photographer will man extrem schnell reagieren können, nicht unbedingt viel Aufsehen erregen und voll flexibel fotografieren können. Hier spielen Systemkameras mit kleinen, wendigen Zooms ihre Stärken aus. In der Stadt macht es natürlich Sinn, ein Zoom mit einem guten Weitwinkel zu nutzen (z.B. 14 mm). Um schnell wechselnde Szenen ohne Verzögerung abbilden zu können, sollten Sie auf einen sehr guten Autofokus setzen. Hinweis: Unbedingt auf die im jeweiligen Land geltenden rechtlichen Bestimmungen für Street Photography achten.

Foto: lechatnoir/iStock
Foto: lechatnoir/iStock

Ich bin Einsteiger und möchte fotografisch besser werden

Schnappen Sie sich eine 50mm-Festbrennweite und gehen Sie bewusst auf Fototour. Mit diesem Objektiv bekommen Sie weder zu viel noch zu wenig auf das Bild und können sich voll und ganz auf Ihre Motive und die fotografische Komposition konzentrieren. Ein wirklich guter Weg, um sich fotografisch weiterzuentwickeln. Außerdem zeichnen sich 50mm-Objektive durch eine meist sehr gute Abbildungsqualität aus – das erfreut natürlich jedes Fotografenherz. Normalobjektive wie dieses eignen sich zudem super für Porträts – einfach ausprobieren.

Foto: Filipovic018/iStock
Foto: Filipovic018/iStock

Ich will ganz einfach ein Universalobjektiv

Entscheiden Sie sich für ein kompaktes, gutes und lichtstarkes Zoomobjektiv von leichtem Weitwinkel bis leichtem Tele (z.B. 17-70/2,8-4).  

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