Foto-Guide: So meistern Sie die Makrofotografie

Eintauchen in die Welt des Allerkleinsten: Mit diesen Profitipps werden Sie zum Meister der Makrofotografie.

Foto: Jasmina007/iStock
Foto: Jasmina007/iStock

Nah, näher, Makro!

Motive so richtig groß und detailliert abzubilden, ist eine faszinierende fotografische Disziplin. Die Makrofotografie eröffnet Fotograf und Betrachtern Welten, die so sonst nicht zu sehen sind und tief beeindrucken. Gemäß DIN-Norm umfasst Makrofotografie Abbildungsmaßstäbe von 1:10 bis 10:1. Damit wird ganz einfach ausgedrückt, wir groß das Motiv auf dem Sensor der Kamera im Verhältnis zu seiner tatsächlichen Größe abgebildet wird (bei 1:1 ist das Abbild genauso groß wie das Motiv selbst). Gängig sind folgende Einteilungen:

  • Nahaufnahmen: Abbildungsmaßstab rund 1:5
    Das Motiv ist auf dem Sensor ein Fünftel so groß wie real.
  • Makroaufnahmen: Abbildungsmaßstab rund 1:1
    Das Motiv ist auf dem Sensor so groß wie real.
  • Mikroaufnahmen: Abbildungsmaßstab rund 6:1
    Das Motiv ist auf dem Sensor sechs Mal so groß wie real. (Natürlich können noch wesentlich größere Verhältnisse erzielt werden, etwa via Mikroskop)
Makrofotografie - Beispiel Tierfoto, Auge im Detail
Foto: Ante Hamersmit/iStock

Unterschiede Makro- zu sonstiger Fotografie

Aufnahmetechnisch ergeben sich grundlegende Unterschiede – Schärfentiefe, Fokussierung und Beleuchtung sind Themen, auf die man als Makrofotograf ein besonderes Augenmerk legt. Damit die eigenen makrofotografischen Experimente flugs zu beeindruckenden Ergebnissen führen, sollte man die passende Ausrüstung nutzen und folgende praktische Tipps zu Kameraeinstellungen, Licht, kleinen Helferlein und Herangehensweisen nutzen.

Makrofotografie - Ausrüstung: Makroobjektiv
Foto: scyther5/iStock

Makrofototipp 1: Ausrüstung

Erste Gehversuche lassen sich auch mit Kompaktkameras oder Smartphones realisieren – richtig gute Ergebnisse erzielt man langfristig nur, wenn man das für Makrofotografie geeignete Equipment nutzt:

  • System- oder Spiegelreflexkamera (idealerweise mit schwenkbarem Display, um in Bodennähe oder über Kopf fotografieren zu können)
  • Makroobjektiv
  • Stativ
  • ev. Reflektor, Lichtzelt, Makroblitz

Makroobjektive sind speziell für den Nahbereich konstruiert und bieten dort viele Vorteile, etwa in punkto Bildqualität, größerem Abbildungsmaßstab sowie beim Fokussieren. Bei Makrolinsen handelt es sich häufig um Festbrennweiten mit integriertem Bildstabilisator und besonders leisem, flotten Autofokus. Es gibt

  • Makroobjektive mit kurzen Brennweiten (unter 50 mm)
  • Standard-Brennweiten (50-100 mm)
  • Makroobjektive im Telebereich (über 100 mm)
    Längeren Brennweiten eignen sich gut für die Tierfotografie (Insekten & Co.), da man damit aus ausreichendem Abstand belichten kann und die Tierchen nicht erschreckt.

Einsteiger sollten auf Makrolinsen mit Brennweiten um die 100 mm setzen (bzw. 60 mm bei „Micro Four Thirds“-Sensor) – sie haben damit quasi eine Allroundlinse in der Hand, die für viele Motive und Situationen gut passt.

Makrofotografen sollten auf die Naheinstellgrenze ihres Objektivs achten, da diese definiert, wie nahe man sich einem Motiv nähern und dabei noch fokussieren kann. An dieser Grenze erzielt man den höchstmöglichen Abbildungsmaßstab. Bei diesem Beispielmakroobjektiv ist diese Naheinstellgrenze beispielsweise 31,2 cm. Gerechnet wird nicht von ab der Linsenfront weg, sondern von der Ebene des Sensors bis zum Motiv.

Pflanzendetail als Beispiel für Makrofotografie
Foto: Pyrosky/iStock

Makrofototipp 2: Stativ

Da man in der Makrofotografie abblendet (= eine hohe Blendenzahl, also eine kleine Blendenöffnung einstellt), um im extremem Nahbereich ausreichend Schärfe zu erzielen, wird die Belichtungszeit entsprechend lang. Fotografiert man nun aus der Hand, wird das Bild häufig verwackelt/unscharf. Montieren Sie Ihre Kamera in diesem Fall unbedingt auf ein Stativ. Da man als Makrofotograf oft in Bodennähe arbeitet, muss das Stativ so tief wie möglich einsetzbar sein (entfernbare Mittelsäule etc.).

Tipp: Wer ein Freihandmakro nutzt, sollte auf einen „Fokusbegrenzer“ achten. Dieser verhindert die sogenannte Fokusfahrt (das Neueinstellen des Fokus über den gesamten Bereich hinweg), wenn man das Motiv vorübergehend aus dem Fokus verliert.

Foto: PanuRuangjan/iStock
Foto: PanuRuangjan/iStock

Makrofototipp 3: Einstellungen

Zu Beginn sollte man mit dem Modus „Blendenvorwahl“ (Av/A) arbeiten und die Blende vorgeben – alle weiteren Einstellungen werden automatisch von der Kamera ermittelt. Für Experten empfiehlt sich der manuelle Modus, bei dem alle Einstellungen selbst bestimmt werden. Eine universelle Kombination aus Blende, Zeit, ISO gibt es nicht – die konkrete Situation vor Ort, das verwendete Equipment und die gewünschte Bildwirkung bestimmen die Einstellungen mit. Fakt ist, dass man als Makrofotograf tendenziell soweit abblendet, dass die Schärfe beim Motiv und das Bokeh im Hintergrund „passen“. Es empfiehlt sich, mit mehreren Einstellungskombinationen zu experimentieren – eine beispielhafte, mögliche Kombination kann folgende sein:

  • ISO 400
  • Blende f/11
  • Belichtungszeit 1/160 sec
  • Brennweite 90 mm

Außerdem gilt es, Erschütterungen im Moment des Auslösens auszuschließen: In der Makrofotografie wirken sich selbst kleinste Kameravibrationen negativ auf das Bild aus – idealerweise nutzt man daher die Spiegelvorauslösung (bei DSLR-Kameras) und einen Fernauslöser oder den kamerainternen Selbstauslöser. Das verhindert, dass die Kamera im Moment des Belichtens auch nur minimal bewegt wird.

Foto: riccardo67/iStock
Foto: riccardo67/iStock

Makrofototipp 4: Licht

Wer seine Motive in weicheres Licht tauchen will, kann vor seinen Blitz einen Diffusor aufbringen. Außerdem gibt es eigene Makroblitze, die für dieses Einsatzgebiet optimiert sind.  Zudem kann man über Aufheller (Gold- oder Silberfolie) oder kleine LED-Leuchten einzelne im Schatten liegende Details des Motivs gekonnt aufhellen.

Foto: ThomasVogel/iStock
Foto: ThomasVogel/iStock

Makrofototipp 5: Blüten

Windstille – das wünscht sich jeder Outdoor-Makrofotograf. Denn Wind ist sozusagen sein naürlicher Feind, sorgen doch selbst kleinste Vibrationen für unerwünschte Verwackelungen im Bild. Ein „Hack“, der bei leichtem Wind Abhilfe schaffen kann, ist es, Blüten mit durchsichtigem Nylonfaden zu fixieren.

Makrofototipp 6: Insekten

Wer die vielbeinigen Lebewesen ablichten will, sollte sich ihnen langsam und nicht zu nahe annähern, eine Telemakroobjektiv mit 100 mm oder noch besser 180 mm Brennweite und Blitzlicht nutzen, um etwaig schnelle Bewegungen einzufrieren.

Foto: DieterMeyrl/iStock
Foto: DieterMeyrl/iStock

Makrofototipp 7: Kleine Helferlein

Wer im Freien als Makrofotograf unterwegs ist, wird sich nicht selten in Bodenhöhe wiederfinden. Ein leichter, faltbarer Knieschutz (Plastikfolie, Isomatte usw.) tut dabei gute Dienste. Wer Details in der Natur abbilden möchte – Blätter oder Blüten mit effektvollen Wassertropfen im Bild etwa – sollte eine Sprühflasche mit Wasser im Gepäck haben. Immer wieder hilfreich ist ein kleines Messer oder eine kleine Schere, damit kann man ins Bild ragende, störende Gräser und Ästchen entfernen. Außerdem praktisch: Bindfaden und Klammern, um Pflanzenteile etc. entsprechend zu drapieren.

Foto: knape/iStock
Foto: knape/iStock

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